Stress als Sucht – ein unterschätzter biochemischer Mechanismus

Mir ist aufgefallen, dass manche Menschen scheinbar dauerhaft unter Strom stehen.

Oft genervt, immer angespannt.

Ständig auf der Suche nach dem nächsten Problem und dem nächsten Aufreger.

Oft gilt der Ärger dahinter auch Dingen und Situationen aus der Vergangenheit, die längst vorbei und abgeschlossen sind.

Fehlt dieser aufgeregte Zustand, entstehen innere Unruhe oder das Gefühl von Leere.

Biochemisch ergibt das durchaus Sinn.

Unter Stress schüttet unser Körper Adrenalin und Cortisol aus.

Gleichzeitig wird auch Dopamin freigesetzt – also der Botenstoff, der mit Motivation und Belohnung verbunden ist.

Kurzfristig fühlen wir uns dadurch wach, fokussiert und leistungsfähig.

Anscheinend gewöhnt sich das Gehirn mit der Zeit an diesen Zustand.

Manche Menschen scheinen dann unbewusst immer wieder Stress zu erzeugen, weil sich Ruhe plötzlich ungewohnt oder sogar unangenehm anfühlt.

Das permanente Sich-Aufregen oder Funktionieren wirken dann fast wie ein emotionaler Kick.

Genau darin zeigt sich die suchtähnliche Dynamik von chronischem Stress.

Doch chronischer Stress hat seinen Preis:

  • erhöhter Cortisolspiegel
  • Schlafprobleme
  • Erschöpfung
  • geringere emotionale Stabilität
  • gesundheitliche Belastungen.

Interessant finde ich schon das Wort Sucht.

Es steckt die Suche darin.

Die Suche vielleicht nach einem Gefühl, nach Spannung, nach Lebendigkeit oder nach innerem Antrieb.

Vielleicht sollten wir uns auf die Suche begeben.

Eine Suche nach dem, was uns wirklich fehlt, anstelle des biochemischen Cocktails mit dem Namen Stress.

Vielleicht können wir dann bewusst Ruhe, Klarheit, Regulation und innere Zufriedenheit zuzulassen.

 

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